Zu Beginn wäre es interessant zu erfahren wie dein sportlicher Werdegang verlief und wie dann letztendlich der Kontakt zum HC Wien hergestellt wurde?

Ich habe in Polen ungefähr mit zehn Jahren begonnen Hockey zu spielen bei KS Pomorzanin Toruń. Dort habe ich jegliche Nachwuchsteams durchlaufen und schließlich mit 16 das erste Mal Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Nach der Matura bin ich für ein halbes Jahr nach Posen studieren gegangen und habe in einer Studentenmannschaft gespielt. Kurz darauf habe ich für eine Saison bei Grunwald angeheuert, ehe ich 2002 zu Rot-Weiß Köln wechselte. Nach einer Saison war dieses Abenteuer vorbei und ich kehrte wieder nach Polen zurück, wo ich dann erstmals Kontakt zum HC Wien aufgenommen habe und wenig später auch nach Wien zog. Alles ging relativ unspektakulär über die Bühne und ich begann hier gleich als Jugendtrainer sowie Spieler zu arbeiten. Bis 2014 war ich selbst noch aktiv und im Jahr darauf übernahm ich den Trainerposten der ersten Herren.

Wie man deinem Lebenslauf entnehmen kann, hast du bereits einige Hockeyjahre auf dem Buckel. Worin siehst du die gravierendsten Unterschiede zwischen der Arbeit als Spieler und Trainer? Ist/war Nervösität bei dir ein Thema?

Ich bin nie nervös(lacht). Ein wesentlicher Unterschied ist, dass der Trainer ganz einfach viel mehr Bereiche abdecken muss. Als Spieler kann man, obwohl es ein Teamsport ist, mehr auf sich selbst schauen. Der Trainer hat es da schon um einiges schwerer, da man einen großen Pool an Spielern hat und diese auch so gut wie möglich zufriedenstellen muss.

Der allgemeine Trend im Sport geht dahin, dass Trainer immer jünger werden und oftmals selbst nicht unbedingt die besten Spieler waren. Wie stehst du dazu?

Meiner Ansicht nach ist es zumindest im Hockeysport schon essentiell Kenntnisse aus Spielerjahren mitzubringen. Die absolute Idealvorstellung wäre für mich dass der junge Trainer einen älteren Assistenten an der Seite hat, oder auch umgekehrt. Die Mischung ist hier oft unglaublich wichtig. Der jüngere Trainer hat oft altersbedingt den besseren Draht zu den Spielern und der Ältere kann hingegen mit Erfahrung punkten. Dass das nicht ganz so einfach ist im Amateursport, ist aber auch klar. Sicher hätte ich gerne einen Erfahreneren Assistenten. Erfahrung ist einfach das A und O. Ein älterer Trainer weiß bereits dass gewisse Dinge funktionieren können und andere wiederum nicht. Hier kann man sehr viel Zeit sparen und die Arbeit wäre auf jeden Fall effizienter.

Da du auch jahrelang als Nachwuchstrainer tätig warst kennst du dich in diesem Bereich exzellent aus. Welche Unterschiede siehst du in der Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen?

Einem Nachwuchstrainer muss es in erster Linie gelingen, den Kindern Spaß am Hockey zu vermitteln. Im weiteren Verlauf ist es dann wichtig die Kinder auch an den Verein zu binden und sie motivieren weiterzumachen. Wesentlich ist natürlich auch, dass die Kinder in jungen Jahren eine gute sportliche Ausbildung bekommen. Im Herrenbereich sollten die Spieler zumindest technisch bereits ausgebildet sein und es werden nur noch Kleinigkeiten angepasst und viel im taktischen Bereich gearbeitet. Hier zählt der Leistungsgedanke schon viel mehr und es geht nicht nur um Spaß. Die Spieler müssen an deine Philosophie und deine Ideen glauben - nur so kann ein gutes Team entstehen.

Wir haben aktuell eine sehr junge Mannschaft und noch einige starke Talente, die hoffentlich bald den Sprung in die erste Mannschaft schaffen werden. Wie überzeugt dich ein junger Spieler Teil des Teams zu werden?

Mir ist es sehr wichtig, dass der junge Spieler bei jedem Training voll dabei ist. Der Spieler muss einfach wollen und das ist schon mal der erste Schritt. Natürlich spielen dann in weiterer Folge auch Hockeywerte eine tragende Rolle. Dadurch dass wir eine Mannschaft in der zweiten Liga haben, können unsere Talente hier auch Spielpraxis sammeln und sich an das Tempo und das Herrenhockey allgemein, gewöhnen. Das Alter ansich interessiert mich allerdings weniger. Wenn jemand in jungen Jahren bereits gut genug ist, wird er auch spielen. So einfach ist das.

Bekanntlich leitest du ja auch hin und wieder Jugendtrainings. Siehst du aktuell potentielle Herrenspieler im Nachwuchs?

Natürlich gibt es die. Von der U9 bis zur U16 sind einige hochveranlagte Kinder dabei die den Sprung schaffen werden, da bin ich mir sicher. Namen werde ich allerdings keine nennen, das sehe ich nicht als zielführend.

Kommen wir zur ersten Herren. Wie siehst du die Entwicklung der Mannschaft seit deiner Leitung?

2015 wurde ich ja quasi ins kalte Wasser geworfen und habe die Mannschaft ein Jahr nach meinem Karriereende übernommen. Dadurch dass ich selbst noch mit vielen Spielern gespielt habe, war dies anfangs vielleicht noch ein kleines Problem. Das war dann allerdings auch schnell kein Thema mehr. In meinem ersten Jahr gleich mal die EHL mitzuerleben war sicherlich ein Höhepunkt. Im zweiten Jahr mussten wir dann leider mit Leon und Franjo zwei Führungsspieler abgeben. Hinzu kam auch noch das Karriereende von Stefan. Alle waren immens wichtig, da sie auch im Training immer vorangegangen sind und so die Qualität steigern konnten. Aber auch ohne diese Spieler gehen wir mittlerweile was die Qualität betrifft, in die richtige Richtung. Wir haben viele junge Talente, die sportlich sehr gut ausgebildet sind. Auch im taktischen Bereich sehe ich eine klare Verbesserung. Wir stehen defensiv schon um einiges stabiler und bekommen viel weniger Gegentore.

Wie sieht deine Spielvorbereitung und Spielphilosophie aus? Zwingst du dem Gegner lieber dein Spiel auf oder lässt du eher auf Konter spielen und setzt dann Nadelstiche?

Meine Spielvorbereitung beginnt ein paar Tage vor dem Match. Ich sehe mir die Partie auf dem Video an und analysiere sowohl unsere als auch die Fehler vom kommenden Gegner. Im Training vor einer Spielrunde muss man selbstverständlich auch auf die Mannschaft achten, Feedback von Spielern einholen um auch die Trainingsintensität steuern zu können. Am Tag vor einem Spiel gibt es dann eine Videobesprechung, wo nochmal unser Matchplan dargelegt wird.

Ganz ehrlich. Am liebsten würde ich jedem Gegner unser Spiel aufzwingen und mit hohem Pressing agieren. Dass das nicht immer möglich ist, ist aber auch klar. Leider besitzen wir noch nicht die Klasse um wirklichen jeden in der Liga zu dominieren.

Weswegen Hockey - was macht für dich den Sport aus?

Hockey ist einfach ein Teil meines Lebens und ich kann nicht mehr ohne. Selbst an einem freien Wochenende verbringe ich Zeit am Hockeyplatz oder schaue Hockey im Internet. Das ist einfach ein Hobby das fesselt und irrsinnig Spaß macht. Nichtsdestotrotz tut die Auszeit im Sommer auch ganz gut. Hockey ist ein Familiensport - bis auf mein kleinstes Familienmitglied, spielt die ganze Familie Hockey. Mal sehen wielange es bei ihm noch dauert bis er auch spielt...aber ich mach ihm da auch gar keinen Druck.

Und wofür steht speziell der HC Wien für dich?

Ich bin mittlerweile seit fast 15 Jahren hier. Das ist einfach mein Verein. Jeder kennt Jeden und das ist auch das schöne daran. Zuerst Hockeyspielen und danach noch auf der Terasse, bei ein zwei Bierchen(schmunzelt), über das Spiel philosophieren.

Wie hat sich Hockey im Laufe der Jahre geändert? Gibt es Unterschiede zwischen der damaligen Spielergeneration und der heutigen?

Der Sport hat sich unglaublich verändert. Wir haben damals in Polen noch mit geklebten Holzschlägern auf Naturrasen trainiert und mit gefüllten Lederbällen gespielt. Die Einführung von Kunstrasen hat den Sport dann revolutioniert - alles wurde schneller, technischer und die Regeln haben sich auch vielfach geändert.

Früher war alles viel klarer definiert, z.B wann Trainingsbeginn ist. Dadurch dass die Medien sich so stark verändert haben, ist es nun viel einfacher Trainings abzusagen. Damals klärte man solche Angelegenheit in einem Vier-Augen Gespräch. Heute braucht man nur noch ein paar Ziffern eintippen und absenden. Da macht man es sich oft viel zu einfach.

Welche Mannschaften imponieren dir derzeit auf internationaler Ebene?

Für mich sind es zurzeit ganz klar Argentinien, Belgien und Holland. Diese drei Teams agieren vielleicht nicht so körperbetont wie die Australier und möglicherweise auch nicht auf dem selben taktischem Niveau wie die Deutschen, aber sie haben die perfekte Mischung aus allen Komponenten gefunden. Es wirkt alles nicht so durchgeplant von A bis Z, dafür viel kreativer, da die Spieler sehr viele Freiheiten im Eins gegen Eins haben.

Wo siehst du Österreich im Vergleich?

Österreich hat sich in den letzten 10 Jahren enorm weiterentwickelt, kann man eigentlich kaum vergleichen zu früher. In der Halle ist Österreich sowieso Weltklasse. Am Feld ist man auch auf einem guten Weg, dennoch sehe ich noch Verbesserungsbedarf. Ich habe das Gefühl es werden stets nur um die 20 Spieler beobachtet und viele anderen vernachlässigt. In der Hinsicht muss meiner Meinung nach auf jeden Fall etwas gemacht werden, da das Leistungsgefälle zwischen der Topspieler und guten Spielern größer wird.

Eine letzte Frage zum Abschluss: welche Ambitionen hast du noch als Trainer?

Über Jahre hinweg eine Meistermannschaft zu formen ist sicher ein Ziel. Ansonsten möchte ich wie bisher, weiterhin unseren Verein unterstützen und ihn voranbringen.

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